Oh je...

Seit nunmehr sechzehn Stunden spuken diese Worte in meinem Kopf herum: "Oh je..."

Ausgerechnet jetzt, da ich die Volljährigkeit erlangt habe und davon ausgegangen war, die Pubertät sei endlich vorbei, trifft es mich wieder: Ich avanciere zu einer Drama Queen. Mal wieder.

Früher fand ich es schick, mit unkontroliierten Schachzügen in Sachen Liebe kleine Welten zusammenbrechen zu lassen, vor allem meine eigenen. Habe mich im Unglück gewälzt, tagelang nur geweint und schließlich nach einigen Wochen meinen nächsten Traumprinzen gefunden.

Diesmal war es die Ausgangslage eine gänzlich andere: Ich bin absolut abhängig von meinem Prinzen, denn selbst nach einem Jahr intensiver Beziehung, die so manche schwere Entscheidungen mit sich brachte, bin ich noch felsenfest der Überzeugung, dass er der Beste ist.

So viel dazu. Was jetzt kommt, könnte genauso gut einer Teenie-Seifenoper entnommen sein: Sein bester Freund und ich haben festgestellt, wie sehr wir voneinander angezogen sind. Toll. Das ist wirklich das Dümmste, was passieren konnte!

Ursprüunglich wollte mein Liebster ja mitkommen zu diesem Laberabend. Hätte er es mal lieber getan. Nun, so waren wir zu zweit und da wir nicht wussten, was wir machen sollten, kauften wir uns Unmengen an Alkohol, der sich im Laufe der Nacht wie von selbst verflüchtigte. Wir warfen eine Tür in den Parkteich, entwendeten einer Putzfrau den Toilettenreiniger und versteckten Gullideckel. Gegen halb zwei saßen wir dann rauchend in einer Sparkasseneinrichtung und fingen an, über die ernsten Dinge des Lebens zu reden. Und dann spürte ich plötzlich, wie sich sein Arm um meinem Körper schlang.

Skurrilerweise wurden wir dann von ein paar netten Gruftis aufgegabelt, die uns den Eintritt in den einzigen schwarzen Club Leipzigs spendierten. Das war dann mein Verhängnis. Während der beste Freund meines Freundes an meinem Ohrläppchen knabberte, versuchte ich, so standhaft wie möglich zu bleiben. Als er dann vorschlug, zu mir zu gehen, ergriff ich die Flucht. Und er kam sogar nach und hatte Verständnis - und tat damit dummerweise das, was mein Freund niemals tun würde. An der Haltestelle schmusten wir noch etwas. Als endlich mein Bus kam, fragte er nach einem Abschiedkuss. Ich wollte ihm diesen wrklich verweigern, aber... ach, und der Alkohol!

Schließlich wachte ich allein in meinem Bett auf, las eine unglaublich liebevolle Botschaft, die mir mein Freund hinterlassen, und bewegte mich die darauffolgenden Stunden in einem diffusen Zustand zwischen Kater, Reue und Glücklichkeit.

Das ist keine ernsthafte Bedrohung. Eine kleine "Zufallsliebe", wie bei Sartre und Beauvoir. Nur ohne Liebe. Eben Zufall. Obwohl ich mir da nicht so sicher wäre... Oh je...

24.4.09 19:56

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Seppel (28.12.11 04:09)
Dark Fortress ~ Self Mutilation

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